Mit Beginn der Hüttenöffnung zur Sommersonnenwende begann die Renovierung der Hütte im 1. Stock. Die Mehrbettzimmer und zwei Waschräume sollten erneuert werden und ich meldete mich als Helfer für die erste Woche. Es standen Abrissarbeiten an und dafür sollten meine Fähigkeiten als Nichthandwerker ausreichend sein. Die fünf Schreiner der Holzwerkstatt Lothar Röllecke und acht weitere Helfer standen am ersten Tag zur Verfügung.

Voller Motivation stürzten wir an die Arbeiten und Ruck zuck fielen die ersten Holzverkleidungen und Decken, nachdem bereits sonntags Karl Heinz und Manfred die alten Matratzen zusammengerollt und für den Hubschraubertransport in Big-Bags verstaut hatten. Der ganze Abfall musste aus der Hütte raus und platzsparend gelagert werden. Ein größerer Raum blieb zunächst unangetastet, denn darin wurde das umfangreichere Werkzeug der Schreiner und auch der Elektriker gelagert. Elektro- und Sanitärarbeiten wurden von Fachfirmen aus Schruns erledigt. Leider funktionierte die terminliche Zusammenarbeit nicht so reibungslos, wie das bereits seit Monaten geplant war. Es gab Personalprobleme, aber irgendwie hat es dann doch geklappt. Zumindest so, dass wir unsere Arbeiten in der ersten Woche ohne größere Einschränkungen erledigen konnten.

In den Folgetagen wurde von den Helfern alle Wandverkleidungen entfernt, die Decken abgerissen und auch die Böden. Der Männer-Waschraum wurde ebenfalls entkernt, der Frauen-Waschraum zur vorübergehenden gemeinsame Nutzung in der Mitte provisorisch geteilt. Nachdem die Elektriker eine Änderung vorgenommen hatten, funktionierte bei einer Dusche das Warmwasser nicht mehr. Aber das merken wir erst abends und der Rest der Woche kam kein Elektriker mehr. Also wurden Zeiten für Frauen und Männer eingeführt, was aber zu erheblichen Verzögerungen bei der abendlichen Dusche führte. So erlaubt uns Hendrik, der Hüttenwirt, die Personaldusche zu nutzen. Die war ein Highlight: direkt angrenzend im selben Raum die Toilette mit grandiosem Tiefblick ins Tal auf Schruns.

Die Schreiner machten sich sofort an die Arbeit, um den Gang im 1. Stock neu zu richten. Die alte Hütte ist alles, bloß nicht gerade, weil sich im Laufe der Jahrzehnte einige Balken durchgebogen hatten. Es war eine Herausforderung, diesen Gang einigermaßen „ins Wasser“ zu bekommen. Letztlich wurde es so gelöst, dass der Boden etwas abfällt und am Ende des Ganges wieder ansteigt, ohne dass man es merkt (1,5 cm Ausgleich). Dieses genaue Ausrichten über die gesamte Fläche dauert natürlich etwas länger, war aber nötig, weil das Niveau des Ganges als Basis für die neuen Fußböden in den Zimmern dient.

In den Zimmern durften wir Helfer wieder ran: mit einem Rahmen und alten Brettern von der Holzverkleidung wurde eine Art zweiter Unterboden eingebaut, um darauf die Dämmung (Weichfaserplatten) zu verlegen. Hintergrund: sollte man in einigen Jahren mal im Erdgeschoss die Decke abnehmen oder reparieren müssen, fällt einem nicht die Isolation auf dem Kopf. Vorher war keine Isolation unter dem Fußboden, was auch erklärt, warum die Zimmer im 1. Obergeschoss so hellhörig waren. Durch die Setzung verschiedener Balken hatte sich auch die alte Deckenvertäfelung im Gastraum verzogen und teilweise entstanden Risse; wir konnten bei den Bauarbeiten durch die Ritzen teilweise die Gäste sehen. Nach dem Verlegen der Isolation wurde ein weiterer Rahmen an den Wänden angebracht, auf dem der neue Fußboden aufgelegt wurde. In manchen Zimmern mussten mehrere Zentimeter ausgeglichen werden, um insgesamt einen ebenen Boden hinzubekommen. Das Verlegen der Böden machten dann wieder die Fachmänner von der Schreinerei.

Ein weiterer Arbeitsschritt war das Stopfen der Lücken zwischen den Balken an den Außenwänden mit Hanffasern. Dadurch soll verhindert werden, dass es später von außen in die Hütte zieht und der Taupunkt an der Außenwand liegt und nicht innen. Mit dem Anbringen von Latten an die Innenwände wurde in der ersten Woche auch noch begonnen. Zwischen die Latten kommen Hartfaser-Isolationsplatten und dann die neuen Holzwände darauf.

Der spannendste Teil der Woche war aber zweifelsfrei der Hubschraubereinsatz zum Transport der Baumaterialien auf die Hütte. Dies passierte am Dienstag. Zunächst kam der Hubschrauber und landete in der Nähe der Hütte. Dort stiegen zwei Helfer aus und es wurde Kerosin zum Nachtanken ausgeladen. Der Hubschrauber war nicht vollgetankt, um aus Gewichtsgründen schwerere Fracht heben zu können. Die vom Schreiner-Team gepackten Kisten waren höchstens 700 Kilogramm schwer. Der Hubschrauber würde zwar noch mehr packen, aber durch den Abwind, den das Fluggerät mit dem Rotor erzeugt, wird die direkt darunter hängende Kiste schwerer.

Ein Helfer kam zur Hütte, er war für das sichere Ab-- und Anhängen der Fracht verantwortlich. Es stellte sich heraus, dass insgesamt fünf Personen der Flugfirma im Einsatz waren: der Pilot, ein Ersatzpilot, jeweils ein Helfer an der Hütte und am Lkw, der an der Mittelstation (Nähe Kapelle) stand, und ein Helfer beim Treibstoff. Kein Wunder, dass die Flugminute sehr teuer ist (es war von einem Betrag um die 100€ die Rede ...). An der Hütte stiegen nun drei Helfer von uns in den Hubschrauber, die mit zum LKW genommen wurden, um beim Richten der Boxen und der übrigen Fracht helfen mussten. Dann begann der eigentliche Transport. Als erstes kamen zur Belustigung aller Schaulustigen elf Fässer Bier im Netz angeflogen. Auf dem Rückflug nahm der Hubschrauber 2 Big-Bags mit Abfall mit (alte Matratzen und Holzlatten vom Abriss). Alle Helfer auf der Hütte mussten nun ran und es wurde etwas hektisch. Der Hubschrauber benötigte zwei Minuten für den Flug ins Tal und zwei Minuten zurück. Also mussten in vier Minuten alle Fässer in den Keller der Hütte gerollt werden, damit wieder Platz war.

Bei den nächsten Flügen kamen jeweils Boxen, die platzsparend gegenüber der Hütte abgesetzt wurden. Es war sehr interessant, diesen Aktionen zuzuschauen. Die Boxen drehten sich leicht beimFlug und der Helfer sowie Lothar mussten sie am Boden in die richtige Position bekommen, um sie absetzen zu können. Der Pilot musste mit sehr viel Können und Fingerspitzengefühl den Hubschrauber so steuern, dass die schwere Fracht ausbalanciert wurde. Die ganze Aktion war so spannend, dass der Verlag Vorarlberg Online eine Redakteurin schickte, die alles in Bildern festhielt und einen Bericht darüber verfasst. Dabei wurde auch einige Interviews geführt, unter anderem mit Hüttenwirt Hendrik und Schreinermeister Lothar. Beim Transport der Kisten konnten die vielen Helfer entspannt zusehen. Hektik kam wieder auf, wenn Dämmmaterial in Form von Weichfaserplatten angeliefert wurden. Diese mussten sofort in und hinter die Hütte geräumt werden, weil der Wind durch den Hubschrauber beim nächsten Anflug die Pakete umgeweht hätte. Ohne sicheren Stand kann einem der Wind vom Hubschrauber umwerfen, wir suchten beim Anflug immer Schutz direkt an der Hüttenwand.

Ganz zum Schluss kamen nochmal zwei Ladungen mit Fassbier. Der Hubschrauber musste während der ganzen Aktion zweimal tanken. Da das Team aber nur eine Tankfüllung mitgebracht hatte, war ein Flug ganz runter ins Tal nötig. Diese ungeplante Aktion bescherte den Flug-Team eine zeitliche Verzögerung von zirka 30 Minuten, welche der nächste Kunde warten musste (eine Alm in der Nähe bekam für eine Baumaßnahme 10 Kubikmeter Beton).

Es war ein Erlebnis, bei diesem Spektakel dabei sein zu dürfen. Nicht nur die Hubschrauberaktion, die ganze Woche war spannend. Unser Team funktionierte hervorragend und alle dachten bei den anstehenden Arbeiten mit, so dass es keine unnötigen Leerzeiten gab. Nicht ohne Stolz konnten wir nach der ersten Woche auf das Geleistete blicken, denn der Bauzeitenplan wurde mehr als erfüllt. Und es gab keine Verletzten (von kleineren Schrammen und Holzsplitterchen in den Händen abgesehen, trotz Arbeitshandschuhen). Ein Lob an alle Beteiligten und insbesondere an Meister Lothar, der selbst in der größten Hektik mit aller Ruhe wie ein Fels in der Brandung stand und wohl überlegt Arbeiten eintaktete. Wie schrieb Benny so treffend nach der Woche in die Whatsapp- Gruppe: „Offensichtlich entsteht beim DAV nicht nur am Seil schnell ein gutes Team, sondern auch am Brecheisen“. Dem ist nichts hinzuzufügen!

In der ersten Woche waren beteiligt: von der Holzwerkstatt: Lothar und Lukas Röllecke, Paul Schenk, Johann Stauß, Matthias Ullmann. Hüttenreferent Jörg Stefan, Kletterreferent und LKW Transporteur Marius Kraus, Stephan Beer, Karl Heinz Kosin, Lothar Holl, Benny Niethammer, Johanna und Manfred Saul, Bernhard Wieder. Und natürlich das ganze Team um Hüttenwirt Hendrik Eberhardt, das uns kulinarisch verwöhnte.

Ein Dank an alle für diese schöne und interessante Woche. Sie war zwar körperlich sehr anstrengend, aber bei Tageshöchsttemperaturen von 16 bis 20 Grad angenehm, während in der Heimat die Hitzewelle mit bis zu 40 Grad den Menschen zu schaffen machte. Bleibt zu hoffen, dass die Arbeiten so reibungslos fortgesetzt werden können und im September 2026 zum Abschluss kommen. Freut euch schon auf die neuen modernen Mehrbett-Zimmer und die Waschräume. Die Wormser Hütte ist dann auf jeden Fall wieder einen Besuch wert.

Euer „Ersthelfer“ Stephan Beer